Montag, 17. Juni 2013

Mittelalteroutfit für Mädchen, Größe 98/104, Teil 2: Das Überkleid

Nachdem das Untergewand für Finja bereits fertig ist, fehlt nun noch ein schönes Überkleid! Ursprünglich wollte ich einfach zwei Rechtecke wappenrockähnlich zu einem Überkleid zusammennähen, evtl. mit einer Schnürung an den Seiten. Den passenden Stoff habe ich schon länger hier liegen; der wartete auf Verarbeitung!

Das Höllenfensterkleid
Nachdem ich ein wenig recherchiert habe, bin ich auf das so genannte "Höllenfensterkleid" gestoßen. Das wurde von adligen Frauen getragen und war im Prinzip ein ärmelloses Überkleid mit Armausschnitten bis zur Taille, das der Männerwelt einen schönen Blick auf die schmale Silhouette darunter gewährte - das Unterkleid war natürlich eng geschnitten. Diese Armausschnitte sind sozusagen die "Höllenfenster", die natürlich aus Sicht der Kirche nicht gerade sittlich waren.

Die Entwicklung des Schnitts
Ich habe mir einige Bilder über die Googlebildersuche angeschaut und mich sofort in den Schnitt verliebt - ich denke, ich werde mir sowas auch nochmal schneidern ;).
Aber beim Thema Schnitt geht's schon wieder los - da ist erstmal Phantasie und räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Und äh, ja, ich lege hier keinen Wert auf historische Korrektheit. Ich will einfach, dass wir in unserer Mittelalterkluft gut aussehen, und mittelalter-look-alike reicht mir da vollkommen :P.

So, nu aber zum Schnitt: Ich hab ein bisschen überlegt und mir wie gesagt viele Höllenfensterkleidbilder angeguckt. Entstanden ist dann das hier, im Stoffbruch, selbstverständlich:

Auf dem zweiten Bild seht ihr, wie die Rundung für den Ausschnitt und die Ärmel entstanden ist ;). Das ist alles eher Freistil und nach Finjas Maßen hingemogelt. Ganz wichtig ist, dass der Saum über 150cm hat, weil das die Saumlänge des Unterkleides ist!

Der gezeigte Schnitt ist eigentlich vorn, aber ich nehm den auch für hinten, wobei da der Ausschnitt kleiner ausfällt. Statt dessen soll das ein Schlitz sein, der mit einer Schlaufe und einem Knopf geschlossen wird, damit Finja ihren Kopf durchstecken kann. Das ist bestimmt nicht authentisch, aber wie gesagt, darauf lege ich nicht soviel Wert.

Übrigens lohnt sich - wie ich auch erst im Nachhinein festgestellt habe - ein Blick auf die Seiten der Gewandnäherin. Die hat auch einen kostenlosen Schnitt für ein Höllenfensterkleid; ihres ist allerdings schmaler in der Mitte, was ich für dieses Projekt nicht so schön finde und deshalb bei meinem eigenen Entwurf bleibe.

Zu den Maßen: Finja ist aktuell zweieinhalb Jahre alt und trägt eigentlich 98/104. Ich hab die Maße für das Höllenfensterkleid so berechnet, dass es ihr passt:
Saum = 45cm (das geht dann ja x4 insgesamt, ergibt also 180cm!)
Gesamtlänge = 55 cm (Das Unterkleid hat ca. 65cm, und die sollen ja auch nicht beide bündig abschließen)
Taille = 27cm
Schulter bis Taille = 24 cm

Die Umsetzung
Da das Höllenfensterkleid nur aus zwei Teilen besteht, ist es recht fix zusammengenäht: Schulter- und Seitennähte schließen, einen Beleg für den Ausschnitt vorn nähen, Knopf hinten und eine Schlaufe nähen und natürlich alle Randnähte versäubern.

Bei dem Stoff, den ich ausgesucht habe, habe ich obendrein das Glück, dass er nicht franst. Das Versäubern aller Nähte ist somit auch recht leicht :o). 
Verziert habe ich das Hängerchen mit dieser schwarz-goldenen Borte mit Blättern - kombiniert mit dem grünen Waschleder wirkt das ein wenig elbisch ;).
Hier seht ihr leider etwas verwackelt die rückwärtige Verschlusslösung - einfach eine Schlaufe aus dem grünen Stoff und ein Holzknopf. Das kann man auch anders machen, z.B. statt Schlaufe ein Knopfloch machen (was ich einfach nie so hinkriege, wie ich es gern würde), oder man kann einen Reißverschluss einsetzen, was noch weniger authentisch ist, oder man kann einen schönen Posamentenverschluss oder sonst irgendeine schöne Schließe einsetzen, da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt :).
Hier seht ihr dann das Ensemble zusammen mit dem schlichten Unterkleid.



Kosten
Stoffverbrauch war ca. 1m. Den Stoff habe ich bei stoffrestposten.de reduziert bekommen, da komme ich auf ca. 4€. Den Holzknopf hab ich geerbt, nachdem die Oma meines Gögas ihren Haushalt aufgelöst und mir alle ihre Nähutensilien und unheimlich viele Accessoires geschenkt hat (darunter unzählige Knöpfe, Garne, Reststoffe, Reißverschlüsse, Bänder, Borten, Spitzen und vor allem eine Nähmaschine!!), und Borte braucht man ca. 1m, also in etwa 2€.
Macht in diesem Fall einen Materialpreis ohne Garn und Arbeitszeit von 6€.
Das ist doch ein preiswertes, hübsches Kleidchen, das man vielleicht auch mal für den Alltag nähen kann und auch als Sommerkleidchen taugt...



So, auf dem letzten Bild nun Finja in Unter- und Höllenfensterkleid - beides fällt sehr schön zusammen und passt wie angegossen. Jetzt fehlt tatsächlich noch ein Gürtel um Finja mehr Bewegungsfreiheit zu erlauben, zumal das Unterkleid noch sehr lang ist. Ansonsten bin ich mit dem Ergenis sehr zufrieden :).

Lieber Gruß,
Sonja





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